Pirat im Selbstversuch

Mitten drin statt nur dabei.

Warum mach ich den Scheiß eigentlich?

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tl; dr    –    mimimi

Nach knapp einem Jahr unter Piraten hat sie mich erwischt, die erste Sinnkrise.
Angefangen hat es mit 14 Tagen Urlaub: offline, friedlich, wunderschön. Danach musste ich beim Öffnen meines Mail bzw. Twitterclients jedes mal wieder lesen was für ein Mist einige Piraten angestellt haben und die Art und Weise der Reaktion vieler weiterer Piraten war oft noch um einiges schlimmer. Mit dem Wissen im Hinterkopf, dass ein Leben auch ohne Piraten gut möglich ist, habe ich stets den Laptopdeckel schnell wieder zugeschlagen und statt dessen angenehmere Dinge getan (Sorry an alle, die auf eine Mail von mir gewartet haben; ich arbeite diese in den nächsten Tagen ab). Und mit jedem weiteren Tag wurde mein Abstand größer und meine Motivation schwächer. Wenn ich über mein Jahr mit Piraten nachdenke, erkenne ich einigen falschen Vorstellungen aufgesessen zu sein.

Die Piraten machen Politik und sind dabei „cool“.

Die Berliner haben mir ein falsches Bild von der Piratenpartei vermittelt. Gegründet im Monster Ronsons, regelmäßige Treffen im Kinski und die Wahlparty im Ritter Butzke. Alles Läden in denen ich noch unabhängig von den Piraten großartige Nächte erlebt habe. Dazu jede Menge Protagonisten mit denen man gerne mal ein Bier trinken gehen würde. In München verbringe ich meine Abende nun in biederen bayerischen Kneipen oder einem Bürogebäude in Milbertshofen.

Die Piraten haben ein Programm.

Dass wir kein Programm haben ist natürlich falsch, ich habe die vielen Seiten Parteiprogramm gelesen und bin mit wenigen Ausnahmen komplett begeistert davon. Allerdings ist durch unsere basisdemokratische und pluralistische Art dieses Programm immer nur eine Momentaufnahme. Eine Ansammlung von Anträgen, die an einem bestimmten Tag X von einer Mehrheit der anwesenden Piraten befürwortet wurden. Aber schon in drei Jahren könnte unser Programm komplett anders aussehen. Vor allem, da (gefühlt) die meisten Neumitglieder nicht wegen unserem Programm eintreten, sondern eher wegen unserem Politikstil. Ob die progressive Drogenpolitik, das BGE oder unsere Punkte zu Migration und Asyl in drei Jahren noch Piratenprogramm sind? Ich weiß es nicht. Wir haben nicht ein Programm, wir haben eine stete Programmdiskussion. Jedes Neumitglied muss von Positionen überzeugt werden, dass kostet innerparteilich unheimlich viel Arbeit. Und selbst Kernthemen sind nicht vor Veränderung sicher, man schaue sich nur die Diskussion zum Urheberrecht an.

Die Piraten haben einen neuen, transparenten und basisdemokratischen Politikstil.

Diese Aussage würde ich noch unterschreiben, blicke aber sorgenvoll in die Zukunft. Immer noch fehlt eine Übereinkunft, was politische Transparenz nun eigentlich bedeutet. Jeder veröffentlicht irgendetwas irgendwo, der Vogonismus treibt immer neue Blüten. Gleichzeitig verzichten immer mehr aktive Piraten komplett auf Mailinglisten. Ein sehr verständlicher Schritt, der aber auch zu einer Abwanderung von Kommunikation in Telefon oder Skype Gespräche führt. Noch sind die Möglichkeiten als Basispirat gigantisch. Kein Vergleich zu den verkrusteten und hierarchischen Strukturen der etablierten Parteien. Allerdings liegt das zum Großteil daran, dass bei komplett ehrenamtlichem Personal jeder der Zeit mitbringt willkommen ist und noch alles klein genug ist dass man ohne Probleme mit allen wichtigen Piraten telefonieren kann. Aber die Struktur der Piraten wird immer hierarchischer, Kreisverbände und sicher bald Ortsverbände gründen sich am laufenden Band. Sollten wir je den Einzug in weitere Parlamente schaffen wird sich die Kluft zwischen Berufspiratenpolitikern und Basis vergößern. Und wir scheinen es nicht zu schaffen uns verbindlich auf Instrumente wie Liquid Feedback zu einigen, welche strukturell diese Kluft verringern könnten.

Genug gemeckert, klarmachen zum ändern.

Ein Vorteil bei Piraten ist, dass man es selbst in der Hand hat Dinge zu ändern. Wenn Liquid Feedback unpopulär ist, dann kann man ja selbst Schulungen dazu anbieten oder Blogbeiträge dazu schreiben. Wenn man die Kommunikation zu unübersichtlich findet kann man ja selbst einen Newsletter schreiben. Wem die Pressearbeit nicht passt kann ja selbst mitarbeiten. Wenn man auf Idioten trifft, die aus falsch verstandenem Liberalismus die Holocaustleugnung erlauben wollen oder durch nationalistische antieuropäische Parolen auffallen, kann man ja selbst eine AG PiratengegenRechts als Kontrapunkt gründen. Die Frage ist nur, ob man immer nah an der Grenze zur Überarbeitung noch daran glaubt dass am Ende die eigene Arbeit Erfolg hat. Hier musste ich leider in meiner Twitter Timeline feststellen, dass immer mehr Piraten die ich schätze aufgeben und ausgetreten sind oder mit diesem Gedanken spielen. Und am Ende des Tages stellt man fest, dass man verdammt viel Zeit und Energie eingesetzt hat, nur um innerparteilich Kämpfe gegen Windmühlen zu führen.

Warum mache ich den Scheiß eigentlich?

Zum Glück reicht es hier einmal die Zeitung aufzuschlagen: die Farce Betreuungsgeld, das Versagen der Regierung beim Thema Altersarmut, die FDP, das Versagen der Verfassungsschützer gegen Rechts, korrupte Politiker wie Mappus oder Wulff, die fehlende Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften, die CSU oder der Umgang mit Asylbewerbern. Ebenso die fehlenden Themen in der Zeitung: Der Unsinn des aktuellen Urheber- und Patentrechts, IPRED, das Versagen der deutschen Drogenpolitik oder die mangelhafte Bürgerbeteiligung. Der frische Wind und der Druck auf die anderen Parteien wird dringend benötigt. Und wenn man es schafft, sich weniger innerparteilich und persönlich zu verzetteln und sich mehr auf die Sachthemen konzentriert, können die Piraten einen positiven Einfluss auf unsere Gesellschaft nehmen. Trotz allen Shitstorms, diese Überzeugung habe ich immer noch. Daher:

Der K(r)ampf geht weiter.

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Written by farddizzle

6. September 2012 at 12:39

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Antragsempfehlungen zum LPT Bayern #lptby

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Liebe Piraten,

am Wochenende ist Landesparteitag in Bayern und noch bis Mittwoch um 23:59 können alle bayerischen Piraten über die Antragsreihenfolge abstimmen (Ihr solltet eine E-Mail bekommen haben). Als Helfer der Antragskommission musste ich alle Anträge lesen und kann euch sagen, es sind einige richtig schlechte Anträge dabei. Um euch die Auswahl zur erleichtern, hier meine ganz persönlichen Highlights, über die ich gerne am Parteitag abstimmen würde.

Die Gruppe42 stellt auf ihrem Blog gute Anträge zu den „Kernthemen“ der Piratenpartei vor. Dem kann ich mich nur anschließen uns stelle hier daher nur meine Highlights zu weiteren Themen vor.

Bildung

Leider wurden die Anträge zur Schulbildung nicht in einem Antragsblock zusammengefasst. Es gibt einen recht ausführlichen Vorschlag für eine Schulreform (P47 Neues Schulsystem), über den man sich schon vor dem LPT mal Gedanken machen sollte. Ergänzend dazu noch zwei konkretere Einzelanträge, welche kleinere Klassen (P25 Begrenzung der Klassengrößen im Primar- und Sekundarbereich) und Englisch als Fremdsprache ab der 1. Klasse (P42 Englisch ab der ersten Klasse) einführen wollen.

Bildung fängt noch früher an, daher sei hier auch der gute Antrag zu Kindergartengebühren (P43 Abschaffung der Kindergartengebühren) erwähnt.

Drogenpolitik

Im Strassenwahlkampf ist unsere Haltung zu Drogen ein stetes Thema. Im Antragsblock A20 finden sich auf Franken- und Bayernplenum diskutierte Positionen für unser bayerisches Wahlprogramm.

Ladenschlussgesetz

Rund um die Uhr einkaufen oder sollten Verkäufer auch mal Feierabend haben? Zum Ladenschlussgesetz gibt es einen Strauss Anträge im Block 04. Mein Favorit ist dabei der Antrag Liberalisierte Ladenöffnungszeiten für kleine Einzelhändler.

ÖPNV

Kann das durch Berlin bekannt gewordenen Konzept des fahrscheinlosen Nahverkehrs auch in Bayern funktionieren? Im Antragsblock 05 kann man darüber abstimmen.

Abschließende Bemerkungen

Die hier vorgestellten Anträge stellen lediglich eine kleine Auswahl dar. Viele Anträge für diesen Parteitag sind Eure Stimme wert. Man sieht sich in Straubings!

Written by farddizzle

20. März 2012 at 13:20

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Welche Möglichkeiten der Partizipation wollen wir? – Zwei Fragen

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Am Berliner Landesparteitag erhielt ein Antrag keine 2/3 Mehrheit, welcher die Nutzung des echten Namens innerhalb des Berliner Liquid Feedback Systemes verbindlich einführen wollte. Nun wird mal wieder über LQFB diskutiert. Wobei Diskussion das falsche Wort ist. Das Thema ist so emotional aufgeladen (warum eigentlich?), dass nur gegenseitig Anfeindungen ausgetauscht werden. Daher von mir nicht noch ein Beitrag zu LQFB. Statt dessen stellt sich mir die grundsätzliche Frage:

Welche Möglichkeiten der Partizipation wollen wir innerhalb der Piratenpartei?

Diese Frage sollten wir klären. Insbesondere, da 2013 eine Landtagswahl auf uns zu kommt. Dort besteht die Möglichkeit, dass Piraten in den Landtag einziehen. Spätestens dann machen wir ganz reale Politik und sollten eine reale Antwort auf folgende Fragen gefunden haben:

Wie kann ein Abgeordneter Anregungen und valide Meinungsbilder der Basis einhohlen?

Wie kann ein einzelner Basispirat ein bestimmtes Thema / einen bestimmten Antrag an die Fraktion richten?

Written by farddizzle

28. Februar 2012 at 12:32

Veröffentlicht in Liquid Feedback, Piraten, Piratenpartei

Filterregeln für Mailinglisten (mit claws mail)

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Genau 4 Monate nach meinem ersten Posting zu Mailinglisten bei den Piraten folgt nun eine Art Fortsetzung. Meiner Meinung nach bestehen 2 Probleme bei den Mailinglisten:

1.) Trolle

Auf jeder größeren Mailingliste tummeln sich Trolle. Zum einen werden Mails auf die Mailinglisten geschickt, deren Inhalt nichts mit dem Grundgedanken der Mailingliste zu tun hat. Zum anderen gibt es Idioten, die zu jedem Thema ihren unqualifizierten Stuss schreiben müssen. Das alles führt dazu, dass teilweise 50 Mails an einem Tag an eine Mailingliste geschrieben werden. Der Großteil dieser Mails ist total uninteressant, die wenigen interessanten Mails gehen leicht in der Menge unter.

2.) Vielzahl der Mailinglisten

Die Piratenpartei arbeitet transparent. Man findet fast alle Informationen öffentlich auf einer Mailingliste. Nur stellt sich die Frage auf welcher :-/ Gerade weil große Mailinglisten (by-misc) viele Trolle anziehen, lesen und schreiben viele Piraten nur auf ihren kleineren lokalen Liste. Das ist verständlich, aber wenn ein Positionspapier für den LPT nur auf der Liste des KVs Hinterdupfing diskutiert wird ist dies sehr schade.

Auf Grund der Unübersichtlichkeit und dem leider geringen Anteil wirklich interessanter Mails bestellen viele Neu und Altpiraten Mailinglisten ab. Eine andere Möglichkeit ist es sinnvoll Mails zu filtern. Ich verwende claws-mail als Emailprogramm. Claws-Mail kann mit tausenden von Mails schnell umgehen. Allerdings bietet jedes andere gute Mailprogramm ähnliche Möglichkeiten.

Die wichtigste Filterregel – Ordner!

Meiner Meinung nach lassen sich Mailinglisten nur mit Ordnern sinnvoll nutzen. Gerade Neupiraten verwenden oft keine Ordner. Im Posteingang des Emailprograms landen dann neben allen privaten Mails auch alle Mails von verschiedenen Piratenlisten. Hier die Übersichtlichkeit zu wahren ist praktisch unmöglich. Eine gute Anleitung für das Einrichten von Ordnern und das automatische Verschieben von Mails in diese Ordner unter claws-mail ist hier zu finden. Diese Funktion sollte jedes Mailprogramm besitzen. Z.B.: Thunderbird (Falls euer verwendetes Programm dies nicht kann, sollte man dieses vielleicht wechseln.)

Filtern für Fortgeschrittene (unter claws mail)

Claws Mail kann Emails nach bestimmten Kriterien mit einem Punktesystem bewerten. Je nach Punktewert einer Mail wird diese dann unterschiedlich behandelt. Das Erstellen von Filtern ist per Menü (Konfiguration/Filterung) möglich. Alle Filterregeln werden dann in der Datei HOME/.claws-mail/matcherrc gespeichert. Folgende Beispiele sind aus dieser Datei zitiert.

enabled rulename "Trollfilter" score_lower -19 mark_as_read color 8
Diese Filterregel markiert alle Mails mit einem Wert kleiner -19 Punkten als gelesen (und ändert die Farbe auf grau). „Schlechte“ Mails werden mir daher nicht mehr als neu angezeigt und so verliere ich keine Zeit damit diese zu lesen.

Das Gegenteil geht auch, Mails mit einem positivem Punktwert größer 10 werden mit folgendem Code blau markiert, damit ich sie auf keinen Fall übersehe.
enabled rulename "Positive Filterung" score_greater 10 color 5

Damit diese Regeln funktionieren, muss man davor Regeln erstellen, welche die Punkte verteilen. Die folgenden Regeln werden auf alle Mails angewandt und die Punktwerte addieren sich dabei.
Beispiele.
enabled rulename "Harry" from matchcase "harry@feudalisten.eu" change_score -50
Die Mail von einem bestimmten Absender bekommt einen Wert von -50
enabled rulename "Nachrichtensammlung" subject matchcase "Nachrichtensammlung" change_score -10
Mails mit dem Wort „Nachrichtensammlung“ im Betreff erhalten einen Wert von -10

enabled rulename "BGE" message regexpcase "bge" change_score -5
Mails in denen der Begriff „BGE“ steht, wird 5 Punkte abgezogen.

enabled rulename "Bayernplenum" subject matchcase "bayernplenum" change_score 5
Emails mit „Bayernplenum“ im Betreff erhalten plus 5 Punkten

Mit solchen Regeln lassen sich Trollbeiträge gut herausfiltern.

Ignore Thread Funktion

Eine weitere wichtige Funktion ist die „Ignore Thread“ Funktion. Wenn mich ein Thema („Welcher Drucker für die LGS“, „Wer kommt zum Stammtisch in Dings“) nicht interessiert, markiere ich es per Tastaturkürzel mit „Ignore Thread“. Alle Antworten zu diesen Mail werden automatisch als gelesen markiert.

Mit diesen Funktionen gelingt es mir auch bei zur Zeit >50 Mailinglisten nicht zu verzweifeln.

Gruß,

florian

Written by farddizzle

23. Februar 2012 at 15:27

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Mein erstes Mal … PAM

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Heute war der politische Aschermittwoch der Piraten in Ingolstadt.

Auch wenn ich grundsätzlich eher für Inhalte und gegen Show bin, habe ich mich spontan auf den Weg nach Ingolstadt gemacht. Es hat sich gelohnt! Zum einen kann ich jetzt vielen weiteren Twitternamen Gesichter zuordnen, zum anderen gab es einige wirklich gute Reden.

Meine Highlights:

Die Rede von @bpwned – Inhaltlich hervorragend und schön bissig. Den Mann will ich auch im Parlament reden hören!

http://www.youtube.com/watch?v=XoPjsdEfB4A

Weitere wirklich sehenswerte Reden kamen von @zeitweise und @mueslikind. Auch Fabio Reinhard aus Berlin bewies Trink und Schlagfertigkeit. Johannes Ponader und Wilm hielten sich mit Polemik eher zurück, konnten aber trotzdem überzeugen. Dank @kollegejansen kam auch der Nerdhumor nicht zu kurz und zu meiner Überraschung fand ich den auftretenden Kabarettisten Rolf Kuhl richtig lustig.

Alles in allem eine sehr gelungene Veranstaltung mit toller Organisation. Da werde ich nächste Jahr sicher wieder hinfahren!

Was ich nächstes Jahr nicht mehr brauche:

  • schlechte Witze über die FDP. Die ist nächstes Jahr hoffentlich komplett irrelevant geworden.
  • verkleidete Piraten. WTF? Am Aschermittwoch ist der Karneval vorbei. Und es waren nicht nur verirrte Betrunkene, sondern auch Vorstände im Faschingskostüm. Piratenkostüm? SRSLY?
Zu guter Letzt: Als suchtpolitischer interessierter Mensch fand ich die Glorifizierung des Bierkonsums (standing ovations für schnellen Biergenuss) irgendwie fragwürdig. Aber jo mei, so sans halt, die Bayern.

Written by farddizzle

22. Februar 2012 at 19:25

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Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem Holodeck

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Bei den Piraten wird mal wieder über geschlossene Mailinglisten diskutiert. Zum einen hat die neugegründete SG Presse beschlossen nur mit einer geschlossenen ML zu arbeiten, zum anderen wurde auf dem Treffen bayerischer Vorstände der geschlossene Betrieb der Holodeck Liste mit 2/3 Mehrheit erneut beschlossen.

Zur Pressearbeit will und kann ich nichts sagen, zur Holodeck Liste hingegen hier meine Meinung als bayerischer Basispirat.

Für die ungeduldigen: Am Ende des Artikels sind 2 Pads mit 2 Anträgen für den nächsten LPT verlinkt.

Wer die Holodeckliste nicht kennt, dies ist eine geschlossene Mailingliste für alle bayerische Piraten in einem Vorstandsamt. Alle KVs, BzVs, und LVs zusammen können dort kommunizieren, der Rest bleibt aussen vor.

Folgende Argumente wider die geschlossene Vorstandsliste habe ich bisher aufgeschnappt.

Persönliche Daten von Mitgliedern müssen geschützt werden. Das sehe ich natürlich genauso. Aber dafür gibt es eine extra Liste nur für Schatzmeister und GenSek sowie das Wanninger OTRS. Daher sollen Mails mit schützenswerten persönlichen Daten von Mitgliedern auch so gut wie nicht auf der Holodeck Liste vorkommen.

Auf offenen Listen verhindern Trolle effektive Arbeit. Auch das ist wahr, man muss sich dazu nur die Aktive oder in letzter Zeit die BY misc Liste anschauen. Sich aus Angst vor Trollen zurückzuziehen halte ich aber für eine überzogene Reaktion. Durch Filterung auf Userseite lassen sich schon viele Trollbeiträge ausblenden. Andererseits antwortet auch auf einen völlig bescheuerten Beitrag immer noch irgend jemand. Um auf Vorstandslisten sich nicht in endlosen Diskussionen zu verlieren gibt es ein 100%ig wirksames Mittel, welches auch auf der bundesweiten Vorstandsliste angewendet wird. Schreibrechte nur für Vorstände, read-only für Basispiraten.

Vorstände brauchen einen Ort für persönliche Aussprachen. Auch hier, volle Zustimmung. Teilweise bestehen schon innerhalb den 5 Leuten eines einzelnen Vorstandes enorme persönliche Differenzen die eine gemeinsame Arbeit fast unmöglich machen. Wie das zwischen den verschiedenen Vorständen in verschiedenen Bezirken ist will ich überhaupt nicht wissen. Nur, eine Mailingliste mit über 100 Teilnehmern erscheint mir nicht das richtige Mittel zur Lösung zu sein. Da sollte man lieber mal miteinander telefonieren oder bei einem Bier sich völlig intransparent erstmal auskotzen und am Ende auf das gemeinsame Ziel besinnen.

Die Presse kann auf der offenen Liste Interna erfahren. Bei Piraten fliegen öfters die Fetzen bei Diskussionen, dass kann man auch bei Twitter sehen. Das bei einer offenen Diskussionskultur die einzelnen teils gegensätzlichen Ansichten innerhalb der Partei bekannt werden, dass ist ein Unterschied der uns im Gegensatz zu anderen Parteien glaubwürdig macht. Und die Presse wird sich daran gewöhnen und nicht aus jedem Streit ein Titelthema machen.

Der politische Gegner kann uns ausspionieren. Ich bin nicht Pirat geworden um andere Parteien zu bekämpfen, sondern um unsere Gesellschaft zu verbessern. Wenn andere Parteien Themen 1zu1 übernehmen, gut für die Sache! Wenn andere Parteien unsere Themen nur oberflächlich und falsch kopieren können wir an Hand unserer offenen Diskussion dokumentieren wo der Unterschied zwischen Original und billiger Kopie ist. Andere Parteien können sich natürlich an Hand unserer Diskussionen vorbereiten und Gegenargumente sammeln und uns schlecht machen. Aber hey, unsere Argumente müssen einfach so gut sein, dass wir auch gegen einen vorbereiteten Gegner die Diskussion gewinnen.

Bestimmte Aktionen (Volksbegehren, Wahlkampfaktionen) müssen im Geheimen geplant werden, damit sie nicht vom politischen Gegner kopiert oder kaputt gemacht werden. Wie bereits oben angedeutet bin ich eher ein Freund davon möglichst offen zu planen und möglichst viele Menschen einzubeziehen. Wir haben z.B. nicht das Geld um große Wahlkampfaktionen geheim zu planen und durchzuführen. Unserer Wahlkampf wird von vielen ehrenamtlichen Piraten in ihrer Freizeit durchgeführt. Je mehr Piraten bereits in die Planung von Aktionen einbezogen werden, desto mehr Piraten werden auch bei der Umsetzung aktiv sein. Sollte der Vorstand jedoch eine bestimmte Aktion aus Gründen im Geheimen planen wollen, dann muss vielleicht der Beisitzer vom KV Buxdehude auch nichts davon wissen. Hier bietet sich eher an, kurz eine extra Mailingliste AktionX anzulegen. Dort können dann nur Piraten zugelassen werden, die an AktionX mitarbeiten. Dies hat auch den Vorteil, dass bestimmten Piraten ohne Amt die an AktionX mitarbeiten auf die Liste können. So kann man Aktionen vorbereiten, die dann wirklich mit Überraschungseffekt starten. Nach dem Ende der AktionX kann die ML dann wieder gelöscht werden.

Fast alle aktiven Piraten haben ein Vorstandsamt. Direkt oder indirekt wird öfters erwähnt, dass die Anzahl der aktiven Piraten ohne Vorstandsamt an einer Hand abzuzählen ist und somit nicht sonderlich relevant ist. Wir schreiben Februar 2012 und aktuell gibt es ca. 4500 Piraten in Bayern. Minus 150 Vorstandspiraten ergibt das immer noch 4350 Piraten. Davon ist sicher der Großteil nicht aktiv und es mag viel Schwätzer, Wollis, Idioten, Trolle und ewige Meckerer geben. Aber es gibt schon jetzt viele Basispiraten die sinnvoll für die Partei arbeiten. Vielleicht nicht so aufopferungsvoll und so viel wie einige Vorstände. Aber auch 1 h die Woche für die Piraten Unterschriften sammeln ist wertvolle Arbeit. Unser Ziel sollte es sein von den 4350 Basispiraten so viele wie möglich zur konstruktiven Mitarbeit zu bewegen.

Alles in allem überzeugen mich die Argumente für eine komplett geschlossene Liste nicht. Daher habe ich auf folgendem Pad einen Antrag für den nächsten LPT formuliert, der dem Vorstand eine teilweise Öffnung der Liste empfiehlt. Kritik, Anregungen und Mitarbeit ist natürlich erwünscht.

Falls ihr die Argumente für eine geschlossene Liste anders gewichtet oder noch bessere habt (gerne als Kommentar anfügen), habe ich ebenfalls einen Alternativvorschlag erstellt, der die geschlossene Liste beläßt, aber durch einen öffentlichen Kodex ein Vertrauen schafft, dass die geschlossene Liste nicht mißbräuchlich verwendet wird.

Zum Schluss noch eine Bemerkung in anderer Sache. Der nächste LPT ist ein programmatischer LPT. Dieser Antrag kann, sofern er behandelt wird, Zeit kosten die dann nicht mehr für inhaltliche Diskussionen über unser Wahlprogramm vorhanden ist. Das ist blöd, solche Meta – Strukurdiskussionen nerven am LPT. Wenn die Piraten in Bayern ein Tool benutzen würden, dessen Namen ich nicht nenne, könnte ich mit diesem Tool eine einigermaßen valide Meinung zu den Anträgen auch zwischen den Parteitagen von der Basis einholen. Der Vorstand könnte dann das Abstimmungsergebnis zu meinen Anträgen als Empfehlung für seine Entscheidung ansehen und alles wäre gut. Leider benutzen die Piraten in Bayern dieses Tool, dessen Name ich nicht nenne, nicht. Daher sehe ich einen Antrag zum LPT als einzige Möglichkeit ein Meinungsbild der Basis einzuholen, welches den Vorständen als Empfehlung dienen kann.

Gruß,

florian d

Written by farddizzle

7. Februar 2012 at 13:10

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Studienlage zu elektronischen Zigaretten

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Durch meinen letzten Blogbeitrag habe ich mich mal intensiver mit veröffentlichten Studien zur elektronischen Zigarette beschäftigt. Es gibt durchaus einiges an Studien: In meinem Literaturverzeichnis sind es zur Zeit 39 50. (wer noch weitere findet, immer her damit). Ich rechne damit, dass zu diesem Thema in nächster Zeit sehr viel mehr erscheinen wird.

Hier mal mein persönliches Fazit der bisher veröffentlichten Studien:

Wenn man die elektronische Zigarette als Genussmittel betrachtet spielen vor allem 2 Aspekte eine Rolle:

1) Fremdgefährdung.

Passivdampfen
Es gibt bisher keinerlei Hinweise für eine Fremdgefährdung duch Passivdampfen. Auch wenn da weitere Studien (Raumluftanalyse) sicher gut sind, erwarte ich da keine negativen Überraschungen. Konsequenterweise heißt das, dass es keinen Grund gibt Dampfen in die Regelungen zum Nichtraucherschutz mit einzubeziehen.

Dampfen in der Schwangerschaft.
Neben Tabakrauch hat auch Nikotin negative Auswirkungen auf den Fötus. Trotzdem verschreiben viele Ärzte Frauen, die mit dem Rauchen nicht aufhören können Nikotinpflaster, da man davon ausgeht das nur Nikotin ein geringeres Übel ist als Nikotin + Tabakrauch. Zum Dampfen gibt es da natürlich noch keine Daten, ob Dampfen mit niedrigem oder 0er Liquid eine Alternative für Schwangere die absolut nicht aufhören können wäre ist eine unheimlich schwierige Frage.

Fremdgefährung durch Trinken der Flüssigkeit.
Hier liegt meiner Meinung die größte Gefahr. Gerade kleine Kinder können sich durch das Trinken von Liquid schwer schaden. Daher sollten Liquids entsprechende Warnhinweise und einen kindersicheren Verschluss haben.

2) Eigengefährdung

Unmittelbare Nebenwirkungen.
Es wurde die Inhaltsstoffe von Liquids analysiert und erste Studien mit Dampfern durchgeführt. Dabei zeigten sich keine größeren Nebenwirkungen, so das Dampfen gerade im Vergleich zum Rauchen keine größeren akuten Nebenwirkungen zu haben scheint.

Abhängigkeitspotential
Dazu habe ich eine kleinere Studie gefunden, welche eDampfen ein geringeres Abhängigkeitspotential als Rauchen bescheinigt. Hier sind aber sicher weitere Studien notwendig. Auf Grund der pharmakologischen Eigenschaften des Nikotins gehe ich persönlich von einem Suchtpotential (wenn auch geringer als bei Zigaretten) aus.

Langzeitschäden
Das ist DIE Hauptkritik am Dampfen. Und tatsächlich weiß man eben nichts über die Langzeitwirkung der verdampften Substanzen auf Lunge und sonstige Organe. Das wird sich auch nicht so schnell ändern. Wirklich schlauer wird man hier erst in 10-20 Jahren sein. Trotzdem kann man davon ausgehen, das Dampfen ungefährlicher ist als Rauchen. Daher sprechen sich viele Wissenschaftler gegen ein Verbot aus. z.B. Professor Michael Siegel für Community Health Sciences  aus Boston, Prof. Ron Borland vom Cancer Council Victoria  oder Professor of Public Health Sciences Jonathan Foulds von der
Pennsylvania State University. Leider scheinen die deutschen Professoren für Public Health bisher zu schlafen. 😦

Lesenswert ist auch eine kritische Arbeit über die Situation in Süd Korea. An Kritikpunkten wird dort genannt:

  • Fehlende und uneinheitliche gesetzliche Regelungen
  • Benutzung durch Jugendliche (Anziehungskraft von eZigaretten als technisches Spielzeug oder durch die vielen verschiedenen tollen Aromen)
  • aggressive und falsche Werbung (die gesunde Zigarette)
  • das gleichzeitige Dampfen und Rauchen von Benutzern welches Bestrebungen den Anteil der Raucher an der Bevölkerung zu verkleinern verhindert.

Daher werden in der Studie folgende Forderungen aufgestellt:

  •  mehr Forschung, unabhängig von Tabakkonzernen und EZigaretten-Herstellern.
  • Verbot von Werbung und Marketing für eZigaretten
  • Aufklärung über Gefahren und Risiken der eZigaretten

Das stellt aus meiner Sicht dann schon die Maximalforderungen dar.

Eine Gefahr sehe ich noch in dem Trend eZigaretten selbst zu basteln bzw. sich sein Liquid selbst zu mischen. Durch solche unkontrollierten Produkte kann man sich selbst immens schädigen. Dies spricht übrigens auch gegen Verbote oder überhöhte Steuern. Das zertifizierte und auf Qualität geprüfte Produkt aus dem Fachhandel ist Eigenkreationen absolut vorzuziehen.

Auch wenn es meiner Meinung nach für die Bewertung als Genussmittel weniger relevant ist gibt es auch schon positive Studien über die Eignung von E-Zigaretten als Raucherentwöhnungsmittel [1], [2], [3],[4].

Falls man die eZigarette als Medikament zur Raucherentwöhnung betrachtet sieht übrigens alles anders aus. Dann sind viele weitere Studien nötig und das wäre das Ende des aktuellen freien Marktes. Denn als Medikament kann immer nur ein ganz bestimmtes Modell mit einem ganz bestimmten Liquid zugelassen werden.

Gruß,
florian

Written by farddizzle

17. Januar 2012 at 17:31

Veröffentlicht in Piratenpartei

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