Pirat im Selbstversuch

Mitten drin statt nur dabei.

Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem Holodeck

with 2 comments

Bei den Piraten wird mal wieder über geschlossene Mailinglisten diskutiert. Zum einen hat die neugegründete SG Presse beschlossen nur mit einer geschlossenen ML zu arbeiten, zum anderen wurde auf dem Treffen bayerischer Vorstände der geschlossene Betrieb der Holodeck Liste mit 2/3 Mehrheit erneut beschlossen.

Zur Pressearbeit will und kann ich nichts sagen, zur Holodeck Liste hingegen hier meine Meinung als bayerischer Basispirat.

Für die ungeduldigen: Am Ende des Artikels sind 2 Pads mit 2 Anträgen für den nächsten LPT verlinkt.

Wer die Holodeckliste nicht kennt, dies ist eine geschlossene Mailingliste für alle bayerische Piraten in einem Vorstandsamt. Alle KVs, BzVs, und LVs zusammen können dort kommunizieren, der Rest bleibt aussen vor.

Folgende Argumente wider die geschlossene Vorstandsliste habe ich bisher aufgeschnappt.

Persönliche Daten von Mitgliedern müssen geschützt werden. Das sehe ich natürlich genauso. Aber dafür gibt es eine extra Liste nur für Schatzmeister und GenSek sowie das Wanninger OTRS. Daher sollen Mails mit schützenswerten persönlichen Daten von Mitgliedern auch so gut wie nicht auf der Holodeck Liste vorkommen.

Auf offenen Listen verhindern Trolle effektive Arbeit. Auch das ist wahr, man muss sich dazu nur die Aktive oder in letzter Zeit die BY misc Liste anschauen. Sich aus Angst vor Trollen zurückzuziehen halte ich aber für eine überzogene Reaktion. Durch Filterung auf Userseite lassen sich schon viele Trollbeiträge ausblenden. Andererseits antwortet auch auf einen völlig bescheuerten Beitrag immer noch irgend jemand. Um auf Vorstandslisten sich nicht in endlosen Diskussionen zu verlieren gibt es ein 100%ig wirksames Mittel, welches auch auf der bundesweiten Vorstandsliste angewendet wird. Schreibrechte nur für Vorstände, read-only für Basispiraten.

Vorstände brauchen einen Ort für persönliche Aussprachen. Auch hier, volle Zustimmung. Teilweise bestehen schon innerhalb den 5 Leuten eines einzelnen Vorstandes enorme persönliche Differenzen die eine gemeinsame Arbeit fast unmöglich machen. Wie das zwischen den verschiedenen Vorständen in verschiedenen Bezirken ist will ich überhaupt nicht wissen. Nur, eine Mailingliste mit über 100 Teilnehmern erscheint mir nicht das richtige Mittel zur Lösung zu sein. Da sollte man lieber mal miteinander telefonieren oder bei einem Bier sich völlig intransparent erstmal auskotzen und am Ende auf das gemeinsame Ziel besinnen.

Die Presse kann auf der offenen Liste Interna erfahren. Bei Piraten fliegen öfters die Fetzen bei Diskussionen, dass kann man auch bei Twitter sehen. Das bei einer offenen Diskussionskultur die einzelnen teils gegensätzlichen Ansichten innerhalb der Partei bekannt werden, dass ist ein Unterschied der uns im Gegensatz zu anderen Parteien glaubwürdig macht. Und die Presse wird sich daran gewöhnen und nicht aus jedem Streit ein Titelthema machen.

Der politische Gegner kann uns ausspionieren. Ich bin nicht Pirat geworden um andere Parteien zu bekämpfen, sondern um unsere Gesellschaft zu verbessern. Wenn andere Parteien Themen 1zu1 übernehmen, gut für die Sache! Wenn andere Parteien unsere Themen nur oberflächlich und falsch kopieren können wir an Hand unserer offenen Diskussion dokumentieren wo der Unterschied zwischen Original und billiger Kopie ist. Andere Parteien können sich natürlich an Hand unserer Diskussionen vorbereiten und Gegenargumente sammeln und uns schlecht machen. Aber hey, unsere Argumente müssen einfach so gut sein, dass wir auch gegen einen vorbereiteten Gegner die Diskussion gewinnen.

Bestimmte Aktionen (Volksbegehren, Wahlkampfaktionen) müssen im Geheimen geplant werden, damit sie nicht vom politischen Gegner kopiert oder kaputt gemacht werden. Wie bereits oben angedeutet bin ich eher ein Freund davon möglichst offen zu planen und möglichst viele Menschen einzubeziehen. Wir haben z.B. nicht das Geld um große Wahlkampfaktionen geheim zu planen und durchzuführen. Unserer Wahlkampf wird von vielen ehrenamtlichen Piraten in ihrer Freizeit durchgeführt. Je mehr Piraten bereits in die Planung von Aktionen einbezogen werden, desto mehr Piraten werden auch bei der Umsetzung aktiv sein. Sollte der Vorstand jedoch eine bestimmte Aktion aus Gründen im Geheimen planen wollen, dann muss vielleicht der Beisitzer vom KV Buxdehude auch nichts davon wissen. Hier bietet sich eher an, kurz eine extra Mailingliste AktionX anzulegen. Dort können dann nur Piraten zugelassen werden, die an AktionX mitarbeiten. Dies hat auch den Vorteil, dass bestimmten Piraten ohne Amt die an AktionX mitarbeiten auf die Liste können. So kann man Aktionen vorbereiten, die dann wirklich mit Überraschungseffekt starten. Nach dem Ende der AktionX kann die ML dann wieder gelöscht werden.

Fast alle aktiven Piraten haben ein Vorstandsamt. Direkt oder indirekt wird öfters erwähnt, dass die Anzahl der aktiven Piraten ohne Vorstandsamt an einer Hand abzuzählen ist und somit nicht sonderlich relevant ist. Wir schreiben Februar 2012 und aktuell gibt es ca. 4500 Piraten in Bayern. Minus 150 Vorstandspiraten ergibt das immer noch 4350 Piraten. Davon ist sicher der Großteil nicht aktiv und es mag viel Schwätzer, Wollis, Idioten, Trolle und ewige Meckerer geben. Aber es gibt schon jetzt viele Basispiraten die sinnvoll für die Partei arbeiten. Vielleicht nicht so aufopferungsvoll und so viel wie einige Vorstände. Aber auch 1 h die Woche für die Piraten Unterschriften sammeln ist wertvolle Arbeit. Unser Ziel sollte es sein von den 4350 Basispiraten so viele wie möglich zur konstruktiven Mitarbeit zu bewegen.

Alles in allem überzeugen mich die Argumente für eine komplett geschlossene Liste nicht. Daher habe ich auf folgendem Pad einen Antrag für den nächsten LPT formuliert, der dem Vorstand eine teilweise Öffnung der Liste empfiehlt. Kritik, Anregungen und Mitarbeit ist natürlich erwünscht.

Falls ihr die Argumente für eine geschlossene Liste anders gewichtet oder noch bessere habt (gerne als Kommentar anfügen), habe ich ebenfalls einen Alternativvorschlag erstellt, der die geschlossene Liste beläßt, aber durch einen öffentlichen Kodex ein Vertrauen schafft, dass die geschlossene Liste nicht mißbräuchlich verwendet wird.

Zum Schluss noch eine Bemerkung in anderer Sache. Der nächste LPT ist ein programmatischer LPT. Dieser Antrag kann, sofern er behandelt wird, Zeit kosten die dann nicht mehr für inhaltliche Diskussionen über unser Wahlprogramm vorhanden ist. Das ist blöd, solche Meta – Strukurdiskussionen nerven am LPT. Wenn die Piraten in Bayern ein Tool benutzen würden, dessen Namen ich nicht nenne, könnte ich mit diesem Tool eine einigermaßen valide Meinung zu den Anträgen auch zwischen den Parteitagen von der Basis einholen. Der Vorstand könnte dann das Abstimmungsergebnis zu meinen Anträgen als Empfehlung für seine Entscheidung ansehen und alles wäre gut. Leider benutzen die Piraten in Bayern dieses Tool, dessen Name ich nicht nenne, nicht. Daher sehe ich einen Antrag zum LPT als einzige Möglichkeit ein Meinungsbild der Basis einzuholen, welches den Vorständen als Empfehlung dienen kann.

Gruß,

florian d

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Written by farddizzle

7. Februar 2012 um 13:10

Veröffentlicht in Piratenpartei

2 Antworten

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  1. Hallo Florian,

    Schön das sich auch andere dazu Gedanken machen…

    Ich selbst habe zuletzt auch Gedanken über das Spannungsverhältnis zwischen Tranzparenz und Effektivität / effektivem politschen Arbeiten gemacht.

    Und die Sache ist die, wenn ich eine Idee habe und die auf eine Arbeits-/Diskussions-ML schreibe, brauch ich keine 2h zu warten bis sich mindestens zwei Trolle gefunden haben, die nur die schlechten Seiten rauspicken und alles andere mit schlecht machen, da manche, die die Idee vielleicht gar nicht so schlecht finden, sich schnell gar nicht mehr trauen etwas positives zu schreiben, weil es ja augenscheinliche alles sch*** ist.

    Deswegen glaube ich, kann man immer wieder leider nur appellieren, das die Diskussionskultur in dieser Partei besser wird und einige Piraten endlich mal lernen warum man gute Argumente nicht schreien muss und warum Sinnvolle Ergänzungen wichtiger sind als die negativen Teile einer Idee herauszustellen.

    Warum, haben wir denn so einen VERSCHLEIS an Vorständen, denn ich kenne nur SEHR wenige aktive, die nicht zumindest mal für einen Vorstandsposten kandidiert haben, nur weil es so schien, als ob es keiner machen wollte.

    Ganz einfach, weil man als Vorstand und auch als einfacher aktiver PIRAT ständig einen Shitstorm nach dem anderen abbekommen und irgendwann einfach keine Lust mehr hat!

    just my two cents

    TJ

    TJ

    10. Februar 2012 at 10:41

  2. Der Elch auf dem Tisch.

    Ja, den gibt es.
    Niemand spricht es an, denn daß da ein Elch auf dem Tisch ist, ist so absurd, daß jeder lieber an seinem Verstand zweifelt, als es anzusprechen.

    In einer Partei in der alle politischen Inhalte von allen Mitgleidern beschlossen werden, gibt es keine Intransparenz. Vorstände beschließen keine politischen Positionen.
    Was unterscheidet denn dann also einen Vorstand von jeder beliebigen anderen „Piratengruppe“.
    Ich kann jederzeit eine Mailliste aufmachen, die außer meinen 50 Piratenkumpels niemand lesen kann und da machen wir da ganz schlimme Piratenweltverschörungen 😉

    Das Thema wird nur „instrumentlaisiert“, vor allem von denen die keineswegs die Absicht haben transparenter zu sein.

    Die einzige Frage, die sich in obigem Zusammenhang stellt ist:
    Entscheiden wirklich alle Piraten über die politischen Inhalte.
    Haben sie überhaupt die Möglichkeit dazu?

    Immerhin hat mich die Diskussion dazu bewegt eine Antrag beim LPT zu stellen, daß inhaltliche Positionen nicht mehr auf Parteitagen zu beschließen sind sondern online.
    Parteitage sind intransparente Mauschelkisten, in denen die Piraten ausgeschlossen werden, die nicht genug Zeit und Geld haben, um von einem PT zum anderen zu hetzen, während sich Untergliederungen absprechen.
    Piraten beantragen, diskutieren und beschließen online; alle zusammen.
    Deswegen bin ich Pirat.
    Alles andere gibt es bei der SPD oder FDP.

    cu
    Michael Ceglar

    Anonymous

    26. Februar 2012 at 00:18


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