Pirat im Selbstversuch

Mitten drin statt nur dabei.

Liquid Feedback in Bayern?!

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Nach dem Erfolg der Piraten in Berlin habe ich viel über Liquid Democracy und Liquid Feedback gelesen. Die Idee dahinter hat mich begeistert und war sicher ein Grund für mich der Piratenpartei beizutreten. Groß war da meine Überraschung, dass Liquid Feedback in Bayern nicht genutzt wird. Trotzdem gab es letzten Donnerstag eine interessante Informations- und Diskussionsveranstaltung über Liquid Democracy in München. 

Andi erzählte Allgemeines über Liquid Democracy und zusammen mit tarzun etwas über die Technik und Bedienung von Liquid Feedback. Dadim stellte den von ihm programmiertem Liquidizer vor. Die zwei interessantesten Vorträge für mich waren von Heide, welche über die praktischen Erfahrungen mit Liquid Feedback in Berlin berichtete, und von TurBor, welcher Kritikpunkte an Liquid Feedback aufzählte. 

Der Vortrag von TurBor (im Netz verfügbar) war von angeregten Diskussionen begleitet. Zu seinen Kritikpunkten einige Gedanken: 

Kritik 1:

Benutzeroberfläche kompliziert, nicht intuitiv, kein Benachrichtigungssystem und Delegationen sind nicht nachvollziehbar.

Das Argument der schlechten Bedienbarkeit habe ich auch am Stammtisch in München am häufigsten gehört. Das dies aber oft von studierten Informatikern oder anderen Nerds vorgebracht wird irritiert mich. Denn jeder versierte Computernutzer kann die Bedienung von Liquid Feedback in einer halben Stunde Verstehen und Durchschauen. Dazu gibt es wahrlich genug Hilfestellungen im Netz. Richtig hingegen ist, dass die Oberfläche nicht von Apple designed wurde und meine Eltern tatsächlich Probleme hätten das System zu bedienen und zu durchschauen. Allerdings ist hier Abhilfe in Sicht, ein neues, intuitiveres Design steht bereit. Zum Benachrichtigungssystem ist noch zu sagen, dass es bereits jetzt möglich ist sich per Twitter über Neuigkeiten informieren zu lassen. Daher:

Kritik Benutzeroberfläche überzeugt mich nicht.

Kritik 2:

Datenschutz

Datenschutz ist eines unserer Kernthemen und selbstverständlich unglaublich wichtig. Aber: Wir, die Mitglieder der Piratenpartei, wollen die Politik in Deutschland verändern. Wir, die Mitglieder der Piratenpartei, sind Politiker. Wir wollen in die Gemeinderäte, in die Stadträte, in die Länderparlamente, in den verdammten Bundestag! Das geht nicht anonym. Wir machen Politik transparent. Dazu gehört aber auch, dass der Wähler nachschauen will, wie wir politisch entscheiden. Politische Veränderungen lassen sich nicht anonym durchsetzen. Nun kommt das Argument, dass der Basispirat in Hinterdupfing von seinen Fussballfreunden verprügelt wird wenn er sich für die Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften einsetzt und seinen Job verliert, wenn er für die Legalisierung von Cannabis stimmt. Ich komme selber vom Land und ja, es gibt dort leider tatsächlich solche Hinterwäldler. Andererseits, wenn wir unsere politischen Ansichten nicht persönlich in unserem Bekanntenkreis vertreten könne, wie wollen wir die Ansichten dann im Bundestag vertreten. Wie dem auch sei, wegen diesem Problemfeld gibt es im Bundesliquid die Möglichkeit sich mit einem Pseudonym anzumelden. Wenn man hier bei der Wahl seinen Pseudonyms aufpasst ist es möglich komplett unerkannt abzustimmen. Daher: 

Kritik Datenschutz überzeugt mich nicht.

Kritik 3:

Wer sich in einem Thema nicht auskennt, kann nicht beurteilen welcher Pirat Experte ist. Daher entscheidet ausschließlich die Popularität über Delegationen. Auch im Nachhinein kann der Nichtexperte nicht erkennen, ob der Delegierte sinnvoll abgestimmt hat. Außerdem bilden globale Delegationen keine Expertise ab.

Richtig hierbei ist, dass globale Delegationen keine Expertise abbilden. Es ist durchaus empfehlenswerter Delegationen zu einzelnen Themenbereichen festzulegen. Warum globale Delegationen oder Delegationen nach Popularität trotzdem kein Problem sind schreibe ich im nächsten Punkt. Es wird hier behauptet, dass ich entweder keine Ahnung von einem Thema habe und daher an irgendeinen populären Piraten delegiere welcher auch keine Ahnung hat, oder ich habe Ahnung und könnte selbst abstimmen. Doch zwischen diesen zwei Extremen gibt es viele Abstufungen. Ich habe keine Ahnung von IT, aber wenn am Stammtisch ein Pirat Vorträge über Netzpolitik hält und Mitglied im CCC, AK Vorrat und FoeBuD ist kann ich auch als Laie seine Expertise einschätzen und ihm meine Stimme delegieren. Nun könnte er ja meine Unwissenheit ausnutzen und für den letzten Scheiß stimmen. Vielleicht würde ich es selbst aus fachlicher Unkenntnis nicht merken. Hier vertraue ich aber durchaus auf eine gewisse Schwarmintelligenz. Sollte ein Pirat für groben Unfug stimmen, dann bin ich mir sicher das ein anderer Pirat dies aufdecken wird. Daher:

Kritik Delegationen – Expertise überzeugt mich nicht.

Kritik 4:

Durch die Weiterreichung von Delegationen können Delegationsketten über viele Personen entstehen. Der entgültige Nutznießer meiner Delegation kann jemand völlig Fremdes sein, dessen Position ich nicht kenne und die daher nicht die meine sein kann. Jemandem zu vertrauen, nur weil jemand dem ich vertraue ihm vertraut ist fragwürdig.

Wenn ich eine feste politische Position zu einem Thema habe, kann ich entweder selber abstimmen oder jemanden auswählen, der meine politische Überzeugung teilt. Wenn ich keine eigene Meinung zu einem Thema habe, muss ich meinem Delegiertem vertrauen, dass er meine Stimme sinnvoll einsetzt. Wir werben um unsere Wähler, dass sie uns ihre Stimme für vier Jahre geben. Der Wähler muss uns vertrauen, dass wir seine Stimme vier Jahre lang sinnvoll einsetzen. Das Vertrauen, welches wir von unseren Wählern einfordern, sollten wir auch innerparteilich haben (erst recht, wenn wir unsere Stimme jederzeit zurückziehen können). Hier komme ich noch einmal zum vorherigen Kritikpunkt. Wenn ich keine Ahnung von einem Thema habe, dann mache ich meinetwegen eine globale Delegation auf unseren Landesvorsitzenden, weil ich den schon mal im Radio gehört habe (sprich ausschließlich aus Popularität). Nun ist es wahrscheinlich, dass auch andere Basismitglieder ohne eigene Expertise einem populären Mitglied Stimmen geben. Dann hat der Landesvorsitzende vielleicht 100 Stimmen und dadurch politische Macht und Verantwortung. Und hier vertraue ich dem Menschen, dass er sich dessen bewusst ist und dementsprechend handelt. Und wenn er zu einem Thema selbst keine Ahnung hat, dann vertraue ich ihm, dass er sich informiert und die 100 Stimmen verantwortungsbewusst weiter delegiert. Delegationsketten sind nicht das Problem, sondern sie ermöglichen das die eigene Stimme seinen Weg zu den besten Positionen findet. Daher:

Kritik Kettendelegationen überzeugt mich nicht.

Kritik 5:

  1. Durch einmalige Delegation auf populäre Piraten von Mitglieder, welche danach komplett inaktiv werden (eventuell sogar aus der Piratenpartei austreten) können Superdelegierte mit vielen Stimmen entstehen. Diese Stimmen bleiben immer beim Superdelegierten, da ein inaktives Mitglied die Stimmen nicht entziehen kann. So entsteht eine unfaire Machtverteilung.
  2. Durch Delegationsketten (siehe oben) entstehen Superdelegierte mit vielen Stimmen. Als einzelnes Mitglied hat man nur eine Stimme, daher entsteht eine unfaire Machtverteilung. Im Extremfall kann der Superdelegierte alleine bestimmen.
  1. Die Kritik ist berechtigt. Bis inaktive Mitglieder auf Grund von fehlendem Mitgliedsbeitrag aus der Partei geschmissen werden können viele Jahre vergehen. Durch Delegationen von inaktiven Mitgliedern können so nicht gerechtfertigte Stimmen im System vorhanden sein. Aber: Derzeit wird an einer Änderung gearbeitet. Neue Datschschutzrichtlinien erlauben die Erfassung des letzten Loginzeitpunktes. Dann können Mechanismen beschlossen werden, die inaktiven Mitgliedern Stimmrechte entziehen.
  2. Superdelegierte, die über Delegationsketten entstehen sind gewollt! Die Stimmen sollen ja den Weg finden zu den Experten zu einem Thema. Und davon gibt es eben nicht unzählig viele innerhalb der Partei. Und das ich mit meiner einzelnen Stimme alleine nichts bewirken kann, dass ist immer so. Auch in der absoluten Basisdemokratie kann ich mit einer Stimme nichts bewirken, wenn ich irgendeinen Blödsinn fordere. Wenn ich hingegen mich in einem Thema auskenne und einen fundierten, super ausgearbeiteten Antrag einbringe dann kann ich selbst Superdeligierter werden. Zur theoretischen Möglichkeit, dass einer 51% der Stimmen auf sich vereinigt. So eine Machkonzentration will niemand, daher wird sie auch nicht eintreten. Schließlich kommen die Delegationen von Piraten und weit bevor so eine Machtkonzentration eintritt werden die Piraten ihre Delegationen umändern oder selbst wahrnehmen. Dafür spricht auch, dass so eine Situation noch nicht einmal annähernd eingetreten ist. Daher:

Kritik Superdelegierte überzeugt mich nicht.

Nun zu Heides Vortrag über die praktischen Erfahrungen mit Liquid Feedback im Landesverband Berlin. Es lassen sich hier zwei Unterteilungen machen.

  1. Vor der Wahl

Das gesamte Programm und Wahlprogramm im Landesverband Berlin wurde mittels Liquid Feedback abgestimmt. Bei jedem Antrag war ein Link zu einem Diskussionsmedium (Wiki oder Pad) angegeben, auf welchem der Antrag diskutiert werden konnte. Die Antragssteller konnten so Anregungen aufnehmen. Durch die Abstimmung am Ende wurden Positionen übernommen, wenn die Basis dafür war und natürlich nicht übernommen, wenn die Abstimmung negativ verlief. Der gesamte Entstehungs- und Abstimmungsprozess war dabei durch Liquid Feedback transparent und nachvollziehbar.

Im Vergleich dazu ist die Programmgestaltung im LV Bayern eher intransparent. Der offizielle Ansatz sieht die Bildung von IGs und Fgs vor. Diese scheinen mir aber nicht sonderlich aktiv. Natürlich gibt es unheimlich viele aktive und schlaue Piraten im LV Bayern, diese scheinen sich aber eher in lokalen AGs zu organisieren. Über Anträge, die so irgendwie entstehen stimmt dann ein Landesparteitag ab, auf dem nur ein Bruchteil der Piraten anwesend sind. Dieses Verfahren erscheint mir deutlich intransparenter und ineffizienter. (Falls ich hier etwas wichtiges falsch wiedergebe entschuldige ich mich schon mal dafür, aber wie gesagt, die Programmentstehung erscheint mir eben eher intransparent). Daher:

Liquid Feedback überzeugt mich hier.

2. Nach der Wahl

In Berlin sitzen nun Piraten in den Bezirken und im Abgeordnetenhaus. Bei anderen Parteien ist es fast unmöglich, als einfaches Basismitglied auf die Entscheidungen, die nun anstehen, Einfluss zu nehmen. Hier wollen die Piraten anders sein. Mittels Liquid Feedback ist es nun jedem Berliner Mitglied möglich einen Antrag zu stellen, der wenn er eine Mehrheit findet, von den Abgeordneten umgesetzt wird. Desweiteren ist es den Abgeordneten jederzeit möglich, zu jedem Thema welches zwischen den Wahlen aufkommt, zügig und unkompliziert das Meinungsbild der Basis einzuholen. Diese transparente und basisdemokratische Politik ist genau das, was für mich Piratenpolitik so attraktiv macht. Sollten wir es in Bayern je schaffen bei Wahlen Piraten in die Parlamente zu bringen, dann will ich diese Möglichkeiten auch haben. (Und Limesurvey ist hier alleine auf Grund der Vielzahl der Themen nicht praktikabel). Daher:

Liquid Feedback überzeugt mich hier.

Mein Fazit: Die Kritik an Liquid Feedback teile ich nicht, die Vorteile hingegen begeistern mich.

Daher habe ich zwei Anträge in die Antragsfabrik für den kommenden Landesparteitag eingestellt. Liquid Feedback soll neu aufgesetzt werden und in der Satzung verankert werden. Denn Liquid Feedback kann nur funktionieren, wenn Entscheidungen in Liquid Feedback auch umgesetzt werden. Wenn der Vorstand hingegen Liquid Feedback Ergebnisse ignoriert, dann ist es auch kein Wunder, dass keiner Zeit und Arbeit dafür opfert.

So, vielen Dank an alle die alles gelesen haben. Ich freue mich auf eure Meinungen. Übrigens, falls jetzt Altpiraten keinen Bock haben schon wieder über Liquid Feedback zu reden, nachdem sie schon 2010 viel darüber geredet haben. Ignoriert mich einfach. Ich gehe davon aus, dass die Antragsreihenfolge zum Landesparteitag mit einer Liquidizer-Instanz oder einer anderen Möglichkeit, welche den Willen der Basis abbildet, festgelegt wird. Falls ich alleine mit meiner Meinung bin, wird mein Antrag einfach in der Versenkung verschwinden.

Hier die Links zur Antragsfabrik mit weiteren Erläuterungen.

http://wiki.piratenpartei.de/BY:Landesparteitag_2012.1/Antragsfabrik/Neustart_von_LiquidFeedback

http://wiki.piratenpartei.de/BY:Landesparteitag_2012.1/Antragsfabrik/Liquid_Democracy

Gruß,

florian 

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Written by farddizzle

24. Oktober 2011 um 20:56

Veröffentlicht in Liquid Feedback, Piraten, Piratenpartei

13 Antworten

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  1. „Zur theoretischen Möglichkeit, dass einer 51% der Stimmen auf sich vereinigt. So eine Machkonzentration will niemand, daher wird sie auch nicht eintreten. Schließlich kommen die Delegationen von Piraten und weit bevor so eine Machtkonzentration eintritt werden die Piraten ihre Delegationen umändern oder selbst wahrnehmen. Dafür spricht auch, dass so eine Situation noch nicht einmal annähernd eingetreten ist.“

    Da kann ich das Gegenteil beweisen. 🙂

    Im Bundesliquid (ohne den dortigen Sandkasten):
    Zwischen 40% und 50% der Stimmen bei einer Person ist bisher 10x vorgekommen.
    Zwischen 30% und 40% gabe es 15x
    Zwischen 20% und 30% 79x

    Betrachtet man nicht nur den mit den meisten Delegationen, sondern auch noch den mit den zweitmeisten dazu, ergibt sich:
    Zwischen 50% und 60%: 9x
    Zwischen 40% und 50%: 20x
    Zwischen 30% und 40%: 56x
    Zwischen 20% und 30%: 152x

    Bei den Abstimmungen muss man beachten, dass diese teilweise eine 1/2-Mehrheit, teilweise eine 2/3-Mehrheit benötigen. Das heißt aber auch, dass letztere mit 1/3 der Stimmen abgelehnt werden können.
    Noch mehr erleichtert wird das Ablehnen durch die inaktiven Auto-Ablehner, die man eh fest aus seiner Seite verbuchen kann, wenn man ablehnen möchte.

    Zusammengefasst kann man in diesen 3 Grafiken sehen, wieviele Leute jeweils gebraucht wurden, um gegen den gesamten Rest eine Entscheidung pro bzw. contra herbeizuführen:
    http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:SD/Delegationen_in_LQFB/Topdelegierte#Entscheidungsmacht_der_Topdelegierten

    Die zweite Grafik zeigt dabei 2x eine „1“ an, die dritte sogar 58x (!) und 2x sogar eine „0“. 😉
    Und das geht jedes Mal davon, dass _alle_ anderen _geschlossen_ gegen den Topdelegierten stimmen. In der Praxis verteilt sich das natürlich fast immer ein wenig, was es dem Topdelegierten sogar noch leichter macht den Ausschlag in der Abstimmung zu geben.

    Der Rest, den du zu Delegationen geschrieben hast, ist größtenteils ebenfalls mehr Wunschvorstellung als Faktenlage. Das lässt sich allerdings weniger klar durch Zahlen belegen. Indizien gibt’s aber haufenweise.

    StreetDogg

    24. Oktober 2011 at 22:58

    • Mist.Da hast mal absolut recht.
      Die Graphiken zeigen aber auch, das am Anfang, als das System noch aktiver von mehr Benutzern genutzt wurde, diese Extremfälle nicht aufgetreten sind.
      Aber so ab Thema 140 kommen Superdelegierte tatsächlich häufig vor.
      Vermutlich weil sich viele Mitglieder zurückgezogen haben und dabei ihre
      Delegationen im System weiter aktiv waren.

      Interessant ist, dass der ganz aktuelle Trend wieder nach oben geht,
      vermutlich auf Grund der vielen neuen Mitglieder. Wenn weiterhin mehr Leute
      LQFB aktiv nutzen und Delegationen von inaktiven Mitgliedern verfallen könnte
      das Problem der Superdelegierten verschwinden.

      Gruß,
      florian

      fardizzle

      25. Oktober 2011 at 19:26

  2. Super, dass Du Dich so ausführlich mit dem Thema auseinandergesetzt hast und auch wieder etwas in die Gänge bringen willst. Ich habe bereits einige weitere Argumente auf der Antrags-Diskussionsseite eingegeben. Meine Unterstützung hast Du.
    STawi

    Anonymous

    24. Oktober 2011 at 23:35

  3. […] Die Kritik an Liquid Feedback teile ich nicht, die Vorteile hingegen begeistern mich. […]

  4. Finde deine Ausführungen zu Liquid Feedback auch super und ebenso den Blog ansich. Ist gerade für andere Neumitglieder sicher interessant deinen Blog und deine „Entdeckungsreise“ durch die Piraten zu verfolgen. 😉

    Mach weiter so, Klasse!
    Grüße aus Potsdam.

  5. Mich interessiert, ob du das Gefühl hast, dass Liquid Feedback (nach einer Vereinfachung der GUI) auch ausserhalb der Parteigrenzen politische Entscheidungen demokratischer und transparenter machen könnte.

    Wäre das System z.B. geeignet, um die Stadt Müchen zu regieren bzw. zu verwalten? Siehst du Themen, bei denen Liqiud Feedback unbrauchbar sein könnte (z.B. Haushaltspläne)?
    Und wenn es in Müchen funktionieren würde, wie sieht es mit der Skalierbarkeit auf Länder oder den Bund aus?

    UsualRedAnt

    25. Oktober 2011 at 11:51

    • Liquid Feedback als Tool ist sicher nicht geeignet um die Parteien zu ersetzen.
      Liquid Democracy hingegen ist sicherlich ein Modell, mit dem Potential auch ausserhalb der Parteiengrenzen politische Themen transparent zu entscheiden. Wie genau das umgesetzt werden soll? Keine Ahnung.

      Erstmal liegt mein Interesse an Möglichkeiten von transparenter und demokratischer innerparteilichen Politik. Liquid Feedback ist dafür meiner Meinung nach die beste Möglichkeit zur Zeit.

      fardizzle

      25. Oktober 2011 at 19:31

  6. Hi Ho,

    herzlich Willkommen bei den Piraten und ich finds Klasse, dass Du Dich mit dem Thema LiquidFeedback befasst.

    Zum Thema Datenschutz.
    Du schreibst, wir sind alle Politiker. Dem möchte ich massivst widersprechen. Ich bin ein Systemadministrator, der sich in einer politischen Partei engagiert.

    Weder meine Teilnahme am (Kreis-/Bezirks-/Landes-/Bundes-) Parteitag noch die Nutzung von Liquid Feedback bzw. meine Arbeit als Verwaltungspirat, machen mich zum Politiker.

    Politiker bin ich nach meiner Auffassung erst, wenn ich in einem Parlament oder einem Kabinett sitze. Vielleicht auch schon zwischen Aufstellungsversammlung und Wahl. Aber da bin ich mit mir auch noch nicht ganz im reinen 🙂

    Ich kann an Parteitagen relativ anonym abstimmen. Meine Hand geht meißtens in dem Meer der anderen Hände unter. Und der Parteitag ist das höchste Gremium der Partei(untergliederung). Eine Protokollierung meiner Stimme gibts hier nicht.

    Warum sollte es auf einem Meinungsbildungstool, was ja LiquidFeedback nun mal ist, anders sein?

    Warum muss meine Stimme für oder gegen ein Thema auf x Jahre gespeichert sein?

    Wenn auf einem (K/Bz/L/B)PT der Versammlungsleiter feststellt, dass eine Mehrheit für ein Thema zustande gekommen ist, im Zweifelsfall durch Auszählung der Ja/Nein/Enthaltungs-Stimmen dann wird das Ergebnis protokolliert. Das reicht auch Jahre.

    Bei LiquidFeedback reicht das Ergebnis nicht. Da muss noch Jahre später zurückverfolgbar sein, wie das Ergebnis zustande kam.

    Das ist eine meiner Kritiken an LiquidFeedback.

    Viele Grüße aus Ulm

    Wido

    Wido

    25. Oktober 2011 at 14:06

  7. „Superdelegierte, die über Delegationsketten entstehen sind gewollt! Die Stimmen sollen ja den Weg finden zu den Experten zu einem Thema.“

    Moment, sie sollen den Weg finden. Aber nur weil sie das sollen, tun sie es noch lange nicht, schön wäre es natürlich. Wir wählen ja auch Parteien und Direktkandidaten, diese delegieren weiter an Fraktionsvorsitzende und Ausschüsse, diese evtl. auch noch weiter an Leute/Berater, die sie als Experten sehen. Wenn dem *automatischen-Weg-finden* so wäre, müssten also an der Spitze zur Zeit absolute Experten sitzen, denen wir vertrauen sollten. Von daher bräuchten wir nach dieser Logik gar nicht mehr direkt abstimmen, denn ein Anreiz sich Wissen selbst anzueigenen spielt in dieser Argumentation gar keine Rolle, es reicht ja selbst „dumm“ zu bleiben und zu delegieren, am Ende landet die Delegation schon irgendwie beim größten Experten, man muss nur fest genug daran glauben und dem System vertrauen.

    Die Intelligenz der Masse (bitte nicht mit Schwarmintelligenz verwechseln) wird aber in diesem System bewusst ausgeblendet, denn diese funktioniert eben nur wenn die Masse selbst abstimmt, statt anderen (vermeintlichen) Experten zu vertrauen.

    „Auch in der absoluten Basisdemokratie kann ich mit einer Stimme nichts bewirken, wenn ich irgendeinen Blödsinn fordere.“

    Das stimmt, und dieser Kontrolleffekt ist imho auch sehr gut, so entsteht kein auto-Abnicken. In einem System mit großer Machtakkumulation gibt es diesen jedoch nicht mehr, da kann dann eben einer allein irgendwelchen Blödsinn durchdrücken, denn derjenige hat die Stimmen der passiven Mitglieder hinter sich und überstimmt die anderen aktiven Mitglieder.

    „Wenn ich hingegen mich in einem Thema auskenne und einen fundierten, super ausgearbeiteten Antrag einbringe dann kann ich selbst Superdeligierter werden.“

    Theoretisch ja, aber die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass du einfach von einem der bereits existierenden Topdelegierten überstimmt wirst, und dein Antrag floppt, selbst wenn viele Leute, die ihn tatsächlich selbst gelesen haben gut finden, das zählt dann eben nicht so wirklich viel, weil ein populärer Topdelegierter im System teilweise mehr Delegationspower hat als überhaupt Leute aktiv abstimmen.

    Vor ca. einem Jahr habe ich übrigens noch genauso gedacht wie du jetzt, habe in meinem Landesverband massiv Werbung gemacht und Vorträge angeboten etc. mittlerweile ist meine Ernüchterung durch das Delegiertensystem allerdings ins komplette Gegenteil gekippt. StreetDogg hat ja auch hier schon ein paar Zahlen gebracht. Wenn du ihm nicht glaubst, ich habe auch entsprechende Initiatiativen in meinem Artikel direkt verlinkt, du kannst es gern selbst prüfen:
    http://sucherderwahrheit.wordpress.com/2011/10/16/die-krux-von-liquid-democracy/

    Ansonsten, erstmal willkommen an Board, lass dir den Enthusiasmus nicht nehmen!

    LordSnow

    25. Oktober 2011 at 16:38

    • Ich war als Neuling auch total fasziniert von LiquidFeedback, vor allem weil es einer der Alleinstellungsfaktoren der Partei war welcher auch Neulingen auffällt. In der Zwischenzeit habe ich viele viele andere tolle Dinge (meist völlig) überraschend entdeckt. Bei LiquidFeedback kann ich LordSnows Argumentation gut nachvollziehen. Es wäre also zu überlegen ob wir die Delegationen nicht abschaffen sollten, am wichtigsten ist aber die bisherigen Erfahrungen auszuwerten und daraus zu lernen. Wäre spannend wie das Bild in LQFB ohne Delegationen aussähe um die beiden Ansätze zu vergleichen.

      Anno Nym

      26. Oktober 2011 at 20:43

  8. Schade, dass Du auf das „jeder der auch nur in einer Partei eintritt ist Politiker“ reinfällst. Genau das ist nicht der Fall. Nicht jeder, der in eine Partei eintritt muss Politiker sein. Er kann auch einfach eintreten um diese zu unterstützen. Daher ist Dein Schluß zu der Kritik 2 falsch.

    Pirat

    31. Oktober 2011 at 12:46

    • Stimmt natürlich. Wer uns nur unterstützen will kann und soll das natürlich tun. Und eine Mitgliedschaft ist anonym, ein reiner Unterstützer muss und will sich nicht mit erkennbarem Namen bei LQFB anmelden. Wer aber das politische Programm der Piratenpartei mitgestalten will, der ist Politiker. Und dass macht anonym keinen Sinn.

      fardizzle

      31. Oktober 2011 at 17:42

  9. […] (warum eigentlich?), dass nur gegenseitig Anfeindungen ausgetauscht werden. Daher von mir nicht noch ein Beitrag zu LQFB. Statt dessen stellt sich mir die […]


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